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Nachruf für Klaus Kinski

Seit 1991 trauert die Gemeinde der Filmfreunde über den Tod des letzten wahren Schauspielers: Klaus Kinski. Eine der kontroversesten Figuren des öffentlichen Lebens unserer Zeit. Seine Kritiker sahen in ihm einen peinlichen Selbstdarsteller mit dem Hang, seinen kranken, offensichtlich vom Wahnsinn befallenen Geist mit Hilfe der Medien in die Öffentlichkeit zu tragen. Einen promiskuitiven Potenzprotz, dessen Leben einzig und allein den Trieb zum Inhalt hat und der selbst damit nichts weiter im Sinn hat, als es in einer lebenslänglich ausschweifenden, dionysischen Orgie zu zelebrieren und durch kleine Rollen in Trash-Filmchen zu finanzieren.

Die Mehrheit der Kritiker verkennt, daß es sich bei Klaus Kinski um ein äußerst sensibles Wesen handelte, ein feinfühliges, verletzbares Tier, zugleich aber ein scharfkantiges Instrument mit dem Willen zu schneiden. Ein Wesen mit dem Willen zur Provokation, das die Gleichmütigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber dem wahren Inhalt des Lebens zutiefst verachtet und militant verabscheut. Zugegeben, er war ein Poser und anfangs liebte er den Ruhm mehr als sich selbst, was wohl auch ein Grund dafür war, warum er seine Affären und sein maßlos verschwenderisches Leben nicht geheim hielt.

Aber schließlich ging es ihm doch nur darum, dabei sich selbst zu verschwenden. Seine Seele dem Leben auszusetzen, dessen Präsenz immer und jederzeit in voller Intensität zu fühlen, mit all den bunten, poetischen Facetten, Glück und Schmerz, Liebe und Haß. Und er kannte diese Facetten bis ins Detail und verinnerlichte sie akribisch, führte Buch über jedes erdenkliche Gefühl, katalogisierte und ordnete, um später im rechten Moment umfassenden Zugriff darauf zu haben. Insoweit haben Kinskis Kritiker Recht behalten: Er war im echten Sinne des Wortes ein "Selbstdarsteller". Ein Gefühls-Chamäleon, dem es auch jetzt noch gelingt, mit Hilfe seiner unsagbaren Ausdruckskraft und seinem leuchtenden Charisma sein Publikum zu amüsieren, erschrecken, verwundern, verzaubern, es direkt in seine Gefühlswelt zu bannen und dort gefangen zu halten.

Der Bann ist bis heute ungebrochen. Wir trauern weiter um Klaus Kinski. Möge er an dieser Stelle weiterleben, wider dem Vergessen.

dieselheart
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